Mitte August machten wir uns auf die lange Reise in die Ukraine. Wir, das sind eine Gruppe Jugendlicher und ein Lkw von DHHN voller Hilfsgüter, mit dem ich jedoch schon vorher gestartet bin. Die Anreise des Lkw war problemlos, Grenze und Zoll haben auch gut und schnell geklappt und so war der Lkw schon leer, als am Abend die Gruppe ankam. Slawik war sehr dankbar für den Nachschub an Hilfsgütern, die er dann nach dem Camp verteilen wird.

Den nächsten Tag nutzen wir mit der Gruppe zum Akklimatisieren: Stadtbesichtigung, Marktbesuch und Zeit mit den Jungs vom Jugendhaus standen auf dem Programm.

Am Montag gings dann los: Wir fuhren nach Mukachewo, dort haben wir ein Freizeithaus gemietet. Letzte Vorbereitungen wurden getroffen und gegen Mittag kamen die Kinder: 60 Waisenkinder und Kinder aus armen Familien. Vor uns lag eine Woche gemeinsames Camp. Wir hatten drei gute Dolmetscherinnen, waren trotzdem jedoch sehr gespannt. Ein Teilnehmer schreibt: „Ich freute mich auf die Kinder, da mir Arbeit mit Kindern sehr viel Spaß macht, dennoch war ich mir unsicher, ob es möglich war die Kinder zu erreichen, vor allem weil sie unsere Sprache nicht verstehen und wir nicht ihre. Der erste Kontakt mit den Kindern war für mich sehr distanziert,  ich glaube nicht nur ich fand, es fühle sich komisch an sich nicht verständigen zu können.“

Wir begannen mit einem gemeinsamen Mittagessen: Beim Betreten des Speisesaals standen an jedem Platz schon ein Plastikteller, Becher und ein Löffel. Nach einem kurzen Gebet gings los. Bis wir Deutsche geschöpft hatten und langsam anfingen zu essen waren die Kinder schon alle fertig und wieder weg. So war es bei jedem Essen: In einem Affenzahn vertilgten die Kinder ihr essen…

Am Nachmittag hatten wir, nachdem wir die Camp-T-Shirts verteilt hatten, eine tolle Campolympiade, wo die Kinder schon auftauten: Man verständigte sich mit Händen und Füßen und wir hatten an den einzelnen Stationen viel Spaß. „Abends gab es dann doch noch ein Erlebnis, das die Sprachbarriere richtig überwunden hat: Fußball. Hier waren Sprache, Nationalität und sogar Größe egal, jeder hängte sich voll rein, die Kinder sogar noch mehr als wir.“ Aber ich hatte unsere Leute auch ermahnt: Wer sich verletzt und in der Ukraine ins Krankenhaus muss bekommt mit mir Ärger.

Am nächsten Morgen hatten wir eine tolle Zeit mit den Kindern: Wir sangen zusammen ukrainische und deutsche Lieder und hatten dabei viel Spaß. Danach kam der Impuls: Unser Thema war Tom von „Nicht wie bei Räubers“. Während wir jeden Morgen und Abend einen Teil der Geschichte erzählten und erklärten waren die Kinder immer ganz bei der Sache. Zum Abschluss lernten die Kinder dann immer noch einen Bibelvers auswendig.

Danach kam dann die Zeit in den Kleingruppen. Leider waren zu wenige ukrainische Mitarbeiter angereist so dass wir drei unserer Jugendlichen baten zusammen mit je einer Übersetzerin auch eine Kleingruppe zu leiten: „Dafür habe ich mich gestern Abend freiwillig gemeldet, da ich gemerkt habe, dass etwas in mir darauf drängt und ich kann jetzt sagen es war genau die richtige Entscheidung. Mir war es ein Anliegen, von Gott als liebendem Papa  zu sprechen. Ich fragte, wer weiß, wie es ist einen Vater zu haben, diesen zu lieben und geliebt zu werden. Und  dann war ein Mädchen dabei, das mir erzählte, sie habe keinen Vater. Zuerst hat mich das traurig gemacht, denn ich habe zwar damit gerechnet, dass sich jemand meldet, doch in diesem Augenblick war es dann doch etwas ganz anderes.  Und diese Trauer hat mich darin bestärkt, ihnen und ganz speziell dem Mädchen Gott als Vater vorzustellen und mir gezeigt, dass ich in dieser Woche genau da war, wo Gott mich wollte.“

An den Nachmittagen standen Workshops auf dem Programm, die wir deutschen vorbereitet hatten: Speckstein sägen und schleifen, Kreuze aus Hufnägeln basteln, Überlebensarmbänder knüpfen, Taschen oder Mäppchen verzieren und anmalen, Holzkreuze binden und viele andere. Überall waren die Kinder mit Feuereifer dabei. An einem anderen Nachmittag hatten wir ein spannendes Geländespiel im angrenzenden Buchenwald, welches die Kinder auch begeisterte.

Am Mittwochabend hatten wir ein großes Lagerfeuer, an dem wir die Geschichte weitererzählten und erklärten. Im Anschluss hatten die Kinder die Möglichkeit, zu uns oder den ukrainischen Mitarbeiterinnen zu kommen und für sich beten zu lassen.

Viel zu schnell ging dieses tolle Camp zu Ende! Zum Abschluss wiederholten wir nochmals die Bibelverse und wir waren überrascht, dass sie sich alle merken konnten.

Der Abschied war bewegend, und die Kinder und Leiter wünschen sich, dass wir nächstes Jahr wieder solch ein Camp durchführen.
Einer unserer Teilnehmer schreibt: „Die Woche Ukraine, die hinter mir liegt war eine der besten Wochen dieses Jahres. Ich bin Gott so dankbar, dass er mir das Ride ermöglichte.  Die Woche hat mich sehr bewegt und mich zum Nachdenken über meinen weiteren Lebensweg gebracht.“